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 Dr. Francesca Vidal, Präsidentin der Ernst-Bloch-Gesellschaft

Die Arbeit der Ernst-Bloch-Gesellschaft  

Die Ernst-Bloch-Gesellschaft gehört zwar faktisch zu den „Personengesellschaften“ und ist deshalb primär mit der Verbreitung und Förderung des Werkes von Ernst Bloch befasst, aber über die historische Pflege des Andenkens hinaus ist es ihr Interesse, den konkreten Bezug der Blochschen Philosophie auf das heutige Denken offenzulegen und dabei all jene Gebiete zu bezeichnen, auf denen diese Philosophie ihr explizit praktisches Potenzial zu entfalten imstande ist.

Es geht insofern also nicht nur um den Rückblick auf das, was Bloch geschrieben und gesagt hat, sondern auch auf den Vorausblick auf die langfristigen Konsequenzen seines Denkens und um dessen strukturelle Einordnung in die übrigen philosophischen Denklinien.

Außerdem ist auch die Vermittlung dieser Philosophie an all jene eine Aufgabe der Gesellschaft, die nicht nur fachphilosophisch tätig sind, sondern in allen möglichen Bereichen von Wissenschaft, Technik und Kunst nach Orientierungsmöglichkeiten suchen. Mithin strebt die Gesellschaft eine größtmögliche Interdisziplinarität der theoretischen wie praktischen Tätigkeiten an.

Diese kann als Grundlage eines modernen, gesellschaftlichen Diskurses angesehen werden, welcher der konkreten Weiterentwicklung und Verbesserung der Zivilgesellschaft dient. Vor allem geschieht das durch die ausdrückliche Beförderung des konkret-utopischen Denkens: Um das zu verstehen, was der Fall ist, bedarf es zudem der Einsicht in das, was möglich sein könnte.

Es versteht sich von selbst, dass in diesem Zusammenhang der Unterstützung des wissenschaftlichen und künstlerischen Nachwuchses die große Aufmerksamkeit der Gesellschaft gilt. Die Kommunikation in Netzwerken wird dabei ebenso gefördert wie die Bereitstellung von Serviceleistungen (hinsichtlich der einschlägigen Bibliographie, der Dokumentation bereits stattgefundener Veranstaltungen, der Information über geplante Veranstaltungen, der Vermittlung internationaler Kontakte, des Angebots von Publikationsmöglichkeiten, der Mitwirkung an Projekten und Veranstaltungen). Ein Newsletter informiert in diesem Zusammenhang über aktuelle Vorgänge.

Die Philosophie Ernst Blochs, die unter systematischen Aspekten zu den modernen Existenzphilosophien gerechnet werden kann, ist im Grunde eine Philosophie des praktischen Alltags. Daraus ergeben sich mannigfaltige Bezüge zu vielen Tätigkeitsfeldern, die vor allem von einem politischen Engagement getragen sind, das sich auf kritische, methodisch wie systematisch konsistente Weise auf alles das erstreckt, was das menschliche Leben auf diesem Planeten bestimmt.

Die im Ernst-Bloch-Zentrum in Ludwigshafen ausgestellten „Themensatelliten“ illustrieren alle Anwendungsfelder, die sich im Zuge einer Blochschen Insichtnahme der Welt als naheliegende Konsequenz der ihnen zugrundeliegenden Philosophie erweisen. Die charakteristischen Blochschen Topoi (voran: Heimat, aufrechter Gang, Naturallianz) können dabei als Bereichskategorien des Vorfindbaren aufgefaßt werden.

Daraus erhellt die umfassende Interdisziplinarität dieses Ansatzes, die aber nicht nur in der Abstraktion verbleibt, sondern sich vielmehr als in ganz konkrete Politik umsetzbar zeigt. 

 

 
 

 

 

 
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