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Themen- und Handlungsfelder der Ernst-Bloch-Gesellschaft   

  • Beteiligung an fachwissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Diskursen
 
  • Impulse für eine europäische Zivilgesellschaft und eine europäische Demokratie der Citoyennes und Citoyens
 
  • Beiträge zur Gestaltung des Wandels der Arbeitswelten und der Kommunikation in der Informations- und Wissensgesellschaft
 
  • Die Leistungen der Bauhaus-Künste und ihre Aktualitäten
 
  • Das berufliche und politische Leben von Karola Bloch
 
  • Unterstützung und Betreuung von NachwuchswissenschaftlerIinnen

 

 

 

 

VIA 

Virtuelles Institut Arbeit, Philosophie und Kommunikation  

Die Welt der Arbeit und damit auch die Welt des Kommunizierens befinden sich inmitten eines ausgreifenden Wandels.

Um diesem Wandel entsprechend neue Gestaltungskompetenzen zu erwerben, bedarf es eines vertieften Dialogs zwischen beiden Dynamiken.

Buch und Katze 
 

 

Um diesen mit zu entwickeln, kam aus den Aktivitäten der "Bloch-Akademie" unter dem Leitmotiv "Arbeitswelt trifft Philosophie − Philosophie trifft Arbeitswelt" der Vorschlag, ein "Virtuelles Institut Arbeit, Philosophie und Kommunikation − VIA" aufzubauen.

Diese Einrichtung soll themenorientierte Diskursprozesse anstoßen, strukturieren und dokumentieren. 

Die Idee für VIA geht von folgenden Annahmen aus:

Die Dialektik der Arbeit unter den widersprüchlichen Bedingungen der sich ausbreitenden Internetökonomie bringt qualitativ neue arbeitsweltliche Verkehrsformen hervor: Neue Infrastrukturen der Arbeit. Sie führen nicht nur zur Flexibilisierung der Arbeitsform, sondern in vermehrtem Maße auch zur Flexibilisierung der Arbeitsverhältnisse. Das für die Industriegesellschaft entwickelte Modell eines sozial ausgestatteten Normalarbeitsverhältnisses wird in einer IT-basierten Wertschöpfungsgesellschaft nicht mehr zum allein dominierenden oder allein prägenden Muster gehören. Neben der abhängigen Beschäftigung wird die individuelle bzw. individualisierte Selbstständigkeit erheblich an sozialer Prägekraft gewinnen.

Der Übergang von der Industriegesellschaft zu einer IT-basierten Produktions- und Dienstleistungsgesellschaft sowie einer Gemeinschaft für „Knowledge Worker“ verändert nicht nur die Dynamik der Wertschöpfung, sondern bringt mit der modular virtualisierten Erstellung von materiellen und immateriellen Gütern zugleich einen strukturell erweiterten Charakter von Wertschöpfungsbeziehungen hervor. Dieser neue Typus virtuellen Wirtschaftens polarisiert den Charakter und die Definition von Arbeit unter globalisierten Marktbeziehungen. Die stetig ex­pandierenden In­­­tegra­tions­pro­zes­se des E-Working schaf­fen einerseits atomisierte, dem Taylorismus verwandte Netz-Ere­mi­ten. Sie forcieren aber andererseits zugleich das Entstehen von an Ganz­heit­lichkeit und an eman­­­zipierte Eigenständigkeit gewöhnten Netzwerk-Sub­jekten. Der erweiterte Cha­rakter von Wertschöpfungsbeziehungen beschleunigt den Prozess der vollständi­gen Ökonomisierung der Arbeit bei gleichzeitiger Etablierung größerer relativer Selbst­bestimmungspotenziale des „Knowledge Working“.

 

 

Eine auf Wissensökonomie und IT-Anwendungen fußende Gesellschaft erfährt eine neue Dialektik der Entfremdung und bringt zugleich antithetisch neue Potenziale zur Aufhebung von Entfremdung hervor. Gemessen am materiellen Charakter industrieller Produktion ist die Arbeit in virtuellen Wertschöpfungskontexten von weitergehender Abstraktion, von Versachlichung und Entsinnlichung geprägt. Di­gi­talisierung als Entkörperlichung treibt sowohl die Trennung des schöpferischen Menschen von seinem Produkt in eine neue Richtung, als auch die Ökonomisierung der individuellen Zeit mit dem Prinzip der ökonomischen Ubiquität in die Entgrenzung. Die industrielle Arbeitsform mit ihren raum-zeitlichen Grenzlinien wird beim Übergang in Online-Welten mit der Flexibilisierung von Ort und Zeit konfrontiert. Einerseits erleiden abhängig Beschäftigte den Vorgang der Enträumlichung und Entzeitlichung der Arbeit als zusätzliche Muster von Entfremdung. Antithetisch ergeben sich jedoch für „Knowledge Worker“ neue Optionen für eine Reformulierung und Konstituierung des selbst­gesteuert-autonomen Subjekts durch eine humanzentrierte Raum-Zeit-In­te­gration im Virtuellen wie auch durch eine Reformulierung emanzipatorischer Ganzheitlichkeit.

Weg

Die konkrete Utopie einer Befreiung der Arbeit, wie Ernst Bloch sie als Befreiung der Lohnarbeit durch die Produzenten selbst gefasst hatte, ist als Beschreibung eines gesellschaftlichen Hoffnungsprozesses nicht mehr ausreichend. Die Arbeitswelt der Gegenwart und der nahen Zukunft verändert sich nicht nur auf der Erscheinungsebene der Warengesellschaft, sondern auch strukturell. Der emanzipatorische Ansatz einer befreienden Dialektik der Arbeit geht dann ins Leere, wenn das kollektiv handelnde Subjekt vor allem aus der Summe der tradierten Lohnarbeitsverhältnisse konstruiert wird. Der Prozess der Entbe­trieb­lichung der Arbeit und deren schritt­weise Virtualisierung unterlegen auch der Herausbildung der gesellschaftlichen Subjekte die Dynamik der raum-zeitlichen Entgrenzung. Das Blochsche Emanzipationsgefüge muss, um arbeitsweltliche Relevanz behalten zu können, auch außerhalb der Lohnarbeit gedacht und vorangetrieben werden. Der Diversifizierung der Arbeitswelten folgen die Diversifizierung der Emanzipationssubjekte und die Diversifizierung der Emanzipationswege sowie deren Ziele.

Kommunikation, Kommunikationskompetenz und die Rhetorizität interaktiver Medien bis hin zur visuellen Rhetorik werden zukünftig in deutlich höherem Maße das Arbeitsvermögen und die Beschäftigungsfähigkeit (Employability) der Erwerbsarbeitenden bestimmen. Wissensbasierte Arbeitswelten folgen der Architektur der Kommunikation. Kommunikation folgt den Strukturen wissensbasierter Arbeit. Diesen Zusammenhang und dessen Emanzipationspotenziale gilt es herauszuarbeiten; und im Hinblick auf den Vorschein humaner Verhältnisse, nachgerade im Hinblick auf ein Noch-Nicht gesellschaftlich befreiter Arbeit zu fokussieren.

Das „Virtuelle Institut Arbeit, Philosophie und Kommunikation – VIA“ will Diskurse initiieren, die Antworten auf die fünf genannten Herausforderungen ermöglichen können.

 

Ein solches Netzwerk soll Akteure aus Wissenschaft und Forschung, aus Technik und Philosophie, aus Arbeitswelt und Unternehmen, aus den Tarifpartnern und Selbstständigen zusammenführen. Die Diskurse sollen Formen dezentraler Präsenzveranstaltungen und virtueller Kommunikationswege nutzen. Zu Letzteren gehören Foren, Chats, Wikis, Blogs, virtuelle Bibliotheken und die „Virtuelle Bloch-Aka­demie“. Zudem sollen Publikationen und umfangreichere Ausarbeitungen den Dialog fördern.

 

VIA soll getragen werden von einer Arbeitsgemeinschaft aus Ernst-Bloch-Gesell­schaft, Forum Soziale Technikgestaltung und Talheimer Verlag. Die Arbeitsgemeinschaft kooperiert mit wissenschaftlichen Einrichtungen von Hochschulen, mit Partner/innen aus Wirtschaft und Arbeitswelt, mit Projekten und Netzwerken. Mit VIA sollen Fördermittel für fachlich-wissenschaftliche Vorhaben eingeworben werden.

Das „Virtuelle Institut Arbeit, Philosophie und Kommunikation – VIA“ startet mit den Themenfeldern „Electronic Mobility und Kommunikation“ sowie „Wissensmanagement und Kommunikation im ländlichen Raum“.

 

 

Im Vordergrund des ersten Themas stehen dabei die Entwicklung von humaner Technikgestaltung und sozialer Innovationen angesichts der sich verändernden Anforderungen an das menschliche Kommunikations-, Sprech- und Sozialverhalten. Die Ausbreitung von „Electronic Mobility“ setzt auf dem Wandel der „Mensch-Mensch-Kom­munikation“ hin zur „Mensch-Maschine-Kommunikation“ und wendet sich der Rolle des Individuums im Umfeld wachsender Maschine-Maschine-Kommu­ni­ka­tio­nen“ zu.

Das zweite Themenfeld greift die wachsenden Diskrepanzen in den Entwicklungen zwischen urbanen Ballungsräumen und ländlichen Regionen auf. Kommunikation und Veränderung, Ungleichzeitigkeit und konkrete Utopie bilden Leitbegriffe.

Interessierte sind eingeladen, an diesem Vorhaben mitzuwirken. Nähere Informationen können über den kostenfreien „Bloch-Newsletter“ bezogen werden.  

VIA-Team:

Francesca Vidal, Universität Koblenz-Landau, Ernst-Bloch-Gesellschaft

Welf Schröter, Forum Soziale Technikgestaltung, Ernst-Bloch-Gesellschaft

Irene Scherer, Talheimer Verlag, Ernst-Bloch-Gesellschaft  

 

 
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